Wie unterscheiden sich eigentlich analoge von digitalen Fotos?

Zu Beginn der digitalen Fotografie gab es viele Skeptiker unter den Fotografen, die den Wechsel zur Digitaltechnik sehr kritisch sahen. Es war die Rede davon, dass das digitale Foto nie dem analogen Bild ebenbürtig sein könne, weil es nicht die Qualität besaß, kälter und technischer – eben digital – wirkte. Die Anmutung des analogen Fotos sei natürlicher, wärmer und ästhetischer, hieß es. Es gibt heute noch Fotografen, die konsequent mit Film arbeiten und das Digitale ablehnen. 

Allerdings hat sich diese Einstellung mittlerweile bei vielen geändert. Neue Aufnahmetechnologien und anspruchsvolle Bildbearbeitungsprogramme ermöglichen es dem erfahrenen Fotografen, auch digital, eine analoge Anmutung zu zaubern. Beispielsweise ist es möglich, verschiedene Filmprofile (Farbe, Kontrast und Körnung von existierenden oder alten Filmen) auf digitale Bilder anzuwenden. Die Ergebnisse sind so authentisch, dass selbst Experten keinen Unterschied zu einer analogen Ausbelichtung mehr feststellen können. Insofern hat sich diese Diskussion weitgehend erledigt.

Es gibt aber eine zweite, nicht technische Ebene der Fotografie, die immer noch eine Rolle spielt und sie hat mit der analogen Arbeitsweise zu tun. Dadurch, dass einerseits ein Film nur über eine begrenzte Anzahl von Bildern verfügt (36 beim Kleinbildfilm und 12 beim Mittelformat), und andererseits kein sofortiges Feedback auf einem Kameradisplay erfolgt, ist der Fotograf gezwungen, bewusster, konzentrierter und langsamer zu arbeiten.

Dieser langsamere Arbeitsrhythmus kann (muss aber nicht) sich auf die Anmutung und die Wirkung von Fotos übertragen: es ist eben ein Unterschied, ob bei einem Porträtshooting einfach mal schnell 200 Fotos innerhalb einer Viertelstunde entstehen, oder zwei Filme à 36 Aufnahmen belichtet werden. Analoge Porträts wirken mitunter ruhiger und besinnlicher. Hinzu kommt, dass das eingebaute Kameradisplay der Digitalkamera zum Nachgucken während des Fotografierens verführt und dadurch etwas von der Konzentration für das Motiv verloren geht.

Abgesehen vom Zeit- und Kostenfaktor der analogen Fotografie, muss der Fotograf selber entscheiden, welche Technik für ihn geeignet ist. Einige Fotografen arbeiten sowohl analog als auch digital. Eine Mischform ist die Hybridtechnik, bei der auf Film fotografiert und das entwickelte Negativ eingescannt wird. Auf diese Weise profitiert der Fotograf von den Vorzügen beider Welten: dem bewussten Fotografieren auf Film und den unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung.