Technische Anforderungen an das digitale Bild

Es gibt unzählige technische Möglichkeiten, ein digitales Foto zu erstellen und für eine Veröffentlichung bereitzustellen. Je genauer Sie wissen, wie Ihr Foto später verwertet werden soll, desto gezielter können Sie Ihr Bild fotografieren (lassen) und konfektionieren. Weil das Bilddateiformat dabei eine sehr wichtige Rolle spielt, sollten Sie sich mit den wichtigsten Formaten vertraut machen.

JPEG

Das JPEG ist das am weitesten verbreitete Dateiformat in der digitalen Fotografie. Es ähnelt einer ZIP-Datei, jener Komprimierungsmethode, bei der man Daten per Mausklick einfach „zusammenschrumpft“ um sie schneller mailen zu können. Der Empfänger klickt dann auch wieder auf die ZIP-Datei und schwups, die ursprünglichen Daten sind wieder hergestellt.

Das JPEG verhält sich ähnlich: wenn  Sie es sich ansehen oder bearbeiten, liegt es in seiner „entfalteten“ Form vor und hat – je nach Kameraauflösung – schon mal 15 bis 30 MB. Das ist gut so, denn Sie können jetzt alle möglichen Bildbearbeitungen vornehmen und Ihr Foto bis ins letzte Detail beurteilen. Wenn Sie damit fertig sind und Ihr Foto mailen wollen, schließen und speichern Sie es.

Jetzt passiert das Gleiche, wie beim Zippen: das JPEG schrumpft zu einer kleinen, kompakten Bilddatei zusammen und Sie können es komfortabel in einer Größe von wenigen MBs mailen. Im Unterschied zum ZIP läuft dieser Prozess automatisch ab – Sie müssen nichts dazu tun!

Das Geheimnis dieser Technologie liegt in cleveren Komprimierungsalgorithmen, die beispielsweise den Himmel Ihrer Landschaftsaufnahme als homogene blaue Fläche „erkennen“ und diese Bildinformation in eine Formel packen, anstatt jedes einzelne Pixel mühselig abzuspeichern. Eine geniale Methode, um Speicherplatz sparend mit Bildern umzugehen.

A technically perfect photograph 

can be the world’s most boring picture

 Andreas Feininger

Allerdings hat sie auch ihren Preis: wer mit JPEGs arbeitet, nutzt nicht das volle Potential der digitalen Fotografie, denn die Komprimierung ist ein sogenannter verlustbehafteter Prozess, bei dem Pixel nachhaltig verändert und gelöscht werden. Keine Angst,  in den meisten Fällen sind diese Veränderungen zu vernachlässigen und man geht den Kompromiss im Sinne eines komfortablen Bild-Handlings ein (Sportfotografen, die aktuell vom Spielfeldrand berichten, schiessen nur JPEGs, weil sie diese Bilder am schnellsten verarbeiten und senden können).

Wenn allerdings die Qualität eines Bildes an höchster Stelle steht und Komfort und Schnelligkeit nebensächlich sind, kommen zwei weitere Dateiformate in’s Spiel: das TIFF und das RAW.

TIFF

Dieses Dateiformat wird eingesetzt, wenn absolut kein Kompromiss in der Bildqualität eingegangen werden darf. TIFF Dateien bieten die größtmögliche Bildqualität, denn sie bedienen sich keiner Kompression. Weil es aber wesentlich mehr Speicherplatz benötigt als das JPEG und der Qualitätsunterschied nur in Extremfällen sichtbar wird, ist das TIFF nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

RAW

Die meisten Profifotografen arbeiten mit RAW Bildern. RAW und JPEG unterscheiden sich so, wie roher Pizzateig von der ofenfrische Pizza. Der Teig ist noch formbar, lässt sich belegen und speziell nach den individuellen Wünschen des Gastes zubereiten. Die fertige Pizza muss gegessen werden, wie sie aus dem Ofen kommt (ausgenommen meine Lieblingspizza, Parma und Rucola – die wird erst danach belegt).

Das RAW-Format ermöglicht dem Fotografen die sogenannte verlustfreie Verarbeitung seiner Bilder. Er kann alle möglichen Parameter wie Belichtung, Farbtemperatur, Kontrast, etc. verändern, ohne dass sein Foto jemals Schaden nimmt. Und noch besser: er kann diese Veränderungen jederzeit wieder rückgängig machen und selbst Jahre später auf das Original RAW zurückgreifen. Deshalb wird das RAW auch „digitales Negativ“ genannt: so, wie früher die Negativstreifen in der „Fototasche“, die man in froher Erwartung vom Fotolabor abgeholt hat.

Von diesen Negativen konnte man die Urlausbfotos im Fotoalbumformat ausbelichten lassen, aber auch mal ein Poster von einem besonders gelungenen Motiv. Solange man die Negative hatte, war alles möglich – selbst ein über- oder unterbelichtetes Foto ließ sich noch retten- Qualitäten, die insbesondere Profifotografen nicht missen wollen.

Spätestens jetzt fragen Sie sich, warum es bei diesen vielen Vorzügen eigentlich nicht nur noch Raws gibt. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe. Erstens will nicht jeder Fotograf so viel Zeit in die Bildbearbeitung stecken: wenn man Raws fotografiert, sollte man auch alle Möglichkeiten der Nachbearbeitung nutzen – nur dann schöpft man das Potenzial dieses Formates aus.

Zweitens sind Raw-Dateien um ein vielfaches größer als JPEGs und lassen sich kaum komprimieren. Das wiederum setzt eine hohe Rechnerleistung und viel Speicherplatz voraus. Nicht zuletzt ist eine gewisse Fachkenntnis erforderlich, um Raw Bilder zu bearbeiten. Wenn Sie also kein engagierter Fotoamateur sind, sollten Sie die RAW Fotografie den Profis überlassen.

Was ist eigentlich DNG (Digital Negative)?

Das RAW Format ist leider nicht ganz unproblematisch. Es handelt sich dabei nämlich um ein herstellerspezifisches Format, das sich von Marke zu Marke unterscheidet. So wird beispielsweise das RAW-Format des Kameraherstellers Canon mit „CRW“ abgekürzt und das der Marke Nikon mit „NEF“. Um diese Formate mit einem Bildbearbeitungsprogramm zu verarbeiten benötigt man ein entsprechendes Plug-in, eine Art Miniprogramm, das diese spezifischen Formate interpretieren kann. Bei der Arbeit mit verschiedenen RAW-Formaten kann das kompliziert werden. Ausserdem stellt sich die Frage, was passieren würde, wenn gewisse Kamerahersteller ihre Formate einfach nicht mehr unterstützen, wenn sie veraltet sind.

Die Firma Adobe hat deshalb ein universelles RAW-Format namens DNG (Digital Negative) erfunden. Damit gibt es ein Format, das von den gängigen Programmen problemlos gelesen werden kann und einen neuen Standard darstellen soll. Um ein RAW in ein DNG umzuwandeln ist  lediglich ein kostenloses Konvertierungsprogramm (bzw. Plug-in) notwendig. Ein weiterer Vorteil ist die etwas geringere Dateigrösse des DNGs. Adobes durchaus sinnvolle Vision ist, dass eines Tages das DNG alle anderen Bilddateiformate ablöst und eine standardisierte Bilddatenverwaltung möglich macht.