Wie ein gutes Foto gestaltet ist, wie es auszusehen hat und wie es wirkt, ist das wichtigste und zugleich interessanteste Thema in der Fotografie. Man könnte ganze Bibliotheken mit entsprechenden Fachbüchern füllen, sich jahrelang mit diesem Thema beschäftigen und hätte wahrscheinlich selbst dann noch keinen vollständigen Einblick. Dieser Bereich ist komplex und umfassend – hat er doch viel mit dem philosophischen Feld der „Ästhetik“ zu tun – und entwickelt sich ständig weiter. Seit der digitalen Fotografie und dem Internet passiert diese Entwicklung rasend schnell.

Ein gut gestaltetes Bild transportiert die Intention des Fotografen deutlich.

Sehen Sie sich Fotos also nicht oberflächlich an, sondern blicken Sie tiefer: erkennen Sie eine Absicht? Was ist der Inhalt? Bei einem guten Foto wird ihnen das schnell klar (vielleicht auch auf den zweiten oder dritten Blick, wenn es sich um ein künstlerisches Foto handelt). Sehen Sie sich Fotos ab sofort mit einem neuen, analytischen Blick an und entwickeln Sie so Ihre Bildkompetenz. Versuchen Sie auch, mit Ihren neu erworbenen Gestaltungskenntnissen fotografisch zu sehen. Wenn Sie sich beim nächsten Frühstück überlegen, wie sie Kaffeetasse, Teller und Salzstreuer fotografieren würden, haben Sie nicht nur Spaß am Sehen, sondern trainieren Ihren fotografischen Blick – ganz nebenbei.

Versuchen Sie, Dinge jenseits ihres Verwendungszweckes zu betrachten, also als reines dreidimensionales Objekt. So wird aus einer Apfelsine eine runde Form mit einer orangen, runzligen Oberfläche. Schatten und Glanzlichter geben ihr eine plastische Wirkung und sie steht in einem gewissen optischen Verhältnis zum Hintergrund und zu anderen Objekten. Mit kleinen Übungen wie diesen verbessern Sie Ihre Sehgewohnheiten und schließlich Ihre Fähigkeit, Bilder zu lesen und zu beurteilen.