Oft hat man als Fotograf nicht die Zeit, ein Porträt aufwändig zu planen oder es bedarf einfach nur eines sympathischen, schnellen Porträts, das nicht mehr zeigt, als den Kopf. Wenn man folgende sechs einfache Regeln beherzigt, wird selbst aus einem „Quick-and-Dirty“- Schuss ein gutes Bild.

Hintergrund

1. Der Hintergrund sollte ruhig und möglichst neutral sein. Nichts ist ärgerlicher, als beim Betrachten eines Porträts festzustellen, dass Ihrem Protagonisten ein Ast aus dem Ohr wächst oder eine Strassenlaterne aus dem Kopf ragt. Ähnlich ist es mit dominanten architektonischen Linien im Hintergrund: Fensterrahmen und Fassadenverkleidungen lenken den Blick von der Person ab und rauben dem Porträt eine gewisse Konzentration. Eine leere Wand oder eine schlichte Mauer sind gute Beispiele für ruhige Hintergründe.

Licht

2. Weiches, diffuses Licht ist beim Porträt von Vorteil (s.a. Lichtführung). Das Gesicht sollte keine Nasenschatten und keine Schlagschatten vorweisen. Es sollte möglichst plastisch wirken und nicht flach. Beides Qualitäten, die man gut im offenen Schatten oder mit indirekter Lichtführung (gegen die Decke blitzen) erreicht.

Die winzigen eingebauten Blitzgeräte vieler Kompaktkameras liefern leider die schlechtesten Ergebnisse, denn sie liefern hartes frontales Licht, das zu unansehnlichen Reflexen auf der Haut führt und das Foto flach aussehen lassen.

Perspektive

3. Die Augenhöhen-Perspektive führt zu den besten Ergebnissen, denn der Betrachter fühlt sich angesprochen. Die Titelseiten der Frauenzeitschriften im Kioskregal sind der Beweis!

Brennweite

4. Die klassische Porträtbrennweite bewegt sich zwischen 85 und 105 Millimeter, also im leichten Telebereich. So vermeidet man Verzerrungen des Weitwinkels und nutzt die verdichtende Qualität der längeren Optik. Auch der Bildausschnitt ist enger und dadurch konzentrierter.

Position

5. Platzieren Sie Ihren Protagonist nicht frontal zur Kamera, sondern leicht schräg  (der Fachbegriff dafür aus der Kunstgeschichte lautet „Contraposto“), als hätte er sich Ihnen gerade zugewandt. Das macht ihn optisch etwas schmaler und gibt dem Foto einen spontaneren Charakter.

Ausdruck

6. Unmittelbar vor dem Auslösen, motiviert der Fotograf sein Gegenüber zu einem gewinnenden Lächeln. Ein Rezept dafür gibt es nicht. Als Fotograf ist man charmant und kreativ, lobt sein Model, erzählt einen Witz oder sagt Sie ihm einfach nur, wie gut es aussieht. Alles ist erlaubt, um an diesen gewissen Ausdruck zu kommen, der einfach sympathisch und authentisch rüberkommt.

Nur sollte er nicht übertreiben: Fotos, auf denen jemand fast platzt vor Lachen, wirken zu komisch. Achten Sie außerdem auch auf die Augengröße. Bei einem zu starken Lachen verkleinern sich Augen oft zu winzigen Schlitzen, so dass man die Augen selber nicht mehr sieht!

Das Porträt ist eine Königsdisziplin der Fotografie – wie viele berühmte Persönlichkeiten gibt es, die uns als Foto im Gedächtnis bleiben! Porträts sind immer auch ein Dokument der Begegnung zwischen Fotograf und seinem Gegenüber. Je intensiver dieses Zusammentreffen, desto eindrucksvoller das Foto.