Der Durchbruch des Internets und der digitalen Fotografie haben uns ins visuelle Zeitalter katapultiert und es ist schwer zu sagen, wo es hinführt. Drei Phänomene kann man jedenfalls schon klar erkennen:

  1. Die Lernkurve in der Fotografie ist extrem steil geworden , denn durch das Unmittelbare des Digitalen, kann die Fototechnik extrem schnell erlernt und verbessert werden. Mit dem Prinzip „Trial and Error“, Neugier und Beharrlichkeit kommt man fast immer ans Ziel.
  2. Das Internet bietet neue Möglichkeiten der Verbreitung von Fotos, was zu der schnellen Verfügbarkeit von unendlich vielen Bildern führt.
  3. Das Foto ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Wir befinden uns im visuellen Zeitalter , in dem Zeit immer kostbarer wird und mit starken Fotos blitzschnell kommuniziert werden kann – egal in welchem Medium. Schneller als mit bewegten Bildern oder Text.

In Kombination mit der allgemeinen globalen Wirtschaftskrise , in der überall gespart wird, ergeben sich unter anderem folgende Situationen: viele Bildnutzer sparen Geld, indem sie Fotos selber machen. Da wo früher ein Fotograf mit der Dokumentation einer Veranstaltung beauftragt wurde, springt mal eben der Praktikant ein. Die neue Haltung ist:  „wenn der einigermaßen geschickt ist, kriegt er schon genügend gute Fotos hin.“ „Trial and Error“ macht’s möglich.

Mit Hilfe des World Wide Web lassen sich Fotos blitzschnell international veröffentlichen und vermarkten. Fotografen haben einerseits die Chance ihre Fotos über Microstock Agenturen oder eigenhändig anzubieten, andererseits haben potenzielle Bildnutzer sofortigen Zugang zu einem immer größer werdenden Bildermeer. Fotografen stehen also immer mehr in Konkurrenz zueinander.

Außerdem wird heute nur noch selten ein Fotograf auf eine Fernreise geschickt, um Bilder von einem exotischen Ort zurückzubringen, denn es gibt fast immer schon Fotos von dort und das Internet verrät einem, wo man dieses Bildmaterial per Download sofort herunterladen kann. Eine Redaktion spart sich so das Risiko, im Vorfeld nicht genau zu wissen, was bei einer Fotoreportage rumkommt.

Doch letztlich verheißt das visuelle Zeitalter eine große Chance: unsere Augen werden immer hungriger und diesen Hunger gilt es zu stillen. Weil wir Abwechslung brauchen, gibt es eine nicht endend wollende Nachfrage nach guter, anspruchsvoller Fotografie. Für Fotografen, die flexibel genug sind auf diesen neuen Bedarf zu reagieren, ist der Kuchen der übrig bleibt , immer noch groß genug. Zusammenfassend kann man feststellen, dass heute zwar nicht mehr so viel für das einzelne Foto bezahlt wird , wie im analogen Zeitalter, dass aber der Bedarf an Bildern stetig steigt. Man kann also durchaus von einer Fotoinflation sprechen.