Wie ein Dokumentarfilm erzählt die Fotoreportage eine – mehr oder weniger -komplexe Geschichte in vielen verschiedenen Bildern. Sie kann aus 5 oder aus 50 Fotos bestehen, solange sich die Motive nicht wiederholen und solange sie eine gewisse Dramaturgie hat, also einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Jedes einzelne Bild der Fotoreportage ergänzt die Geschichte, erzählt einen neuen Aspekt.

Im besten Fall kommt eine starke Fotoreportage fast ohne Lauftext aus: ausführliche Bildunterschriften ergänzen die Bilder zu einer sich selbsterklärenden  Story. Stellen Sie sich vor, Sie dürften Ihrer Mutter vom letzten exotischen Sommerurlaub ausschließlich in Fotos erzählen – kein gesprochenes oder geschriebenes Wort. Sie legen einfach nur 25 Fotos in einer bestimmten Abfolge auf einen großen Tisch und lassen die Fotos wirken. Wenn es Ihnen dann gelingt, Ihrer Mutter die Story Ihres Urlaubes zu vermitteln, wäre das sozusagen eine Urform der Fotoreportage.

Jedes Bild ist 

ein Fenster zur Welt.

 Günther Förg

„Show, don’t tell“, („erzähle nicht, sondern zeige“) fordert dieser Spruch den Fotojournalisten auf. Das Credo hatte insbesondere vor dem Triumph des Fernsehens eine ganz besondere Bedeutung. Von 1936 bis Ende der Fünziger Jahre, galt das amerikanische LIFE Magazine als die wöchentliche Nachrichtenquelle für Millionen von Amerikanern.

Großformatige Schwarzweißfotos zeigten den Lesern Hollywoodstars, Kochrezepte aber auch Fotoreportagen von den Fronten des Zweiten Weltkriegs. Dabei spielte das Foto im Heft immer die zentrale Rolle: es war schnell erfassbar, authentisch und didaktisch – es erklärte dem Leser seine Welt.

Heute, gut fünfzig Jahre später, ist die Fotoreportage immer noch eine der kraftvollsten journalistischen Formen. Jedoch ist nicht mehr das Magazin seine größte Plattform, sondern das Internet. Die digitale Fotografie und das Internet ermöglichen eine noch nie da gewesene Vielzahl an Fotoreportagen, Multimedia- und Audioslideshows. Mit der Weiterentwicklung der Technologie entstehen immer neue Formen des Geschichtenerzählens – wir befinden uns mitten im visuellen Zeitalter.