Bis in die 60er Jahren war das Erzählen in Bildern in Magazinen, der Fotojournalismus, groß im Trend. Die Bildredakteure der berühmten US-Zeitschrift LIFE gaben Ihren Fotojournalistinnen eine kleine Anleitung mit, wie sie eine LIFE-Story am besten fotografieren sollten.

Diese sogenannte LIFE Formel vereint zwei Maximen des guten Bildjournalismus, die bis heute gültig sind: eine Fotoreportage muss eine Geschichte erzählen und sie muss einen gewissen Unterhaltungswert haben. Genau das schafft man durch den Wechsel von Einstellungsgrößen und Bildformaten. Die „LIFE Formel“ sieht 8 verschiedene Elemente innerhalb einer Fotoreportage vor.

1. Die Totale, der Überblick

Dieses Foto zeigt der Betrachterin, wo sie sich befindet. Es verortet alle folgenden Bilder und vermittelt das Gefühl vom „Wo“. Oft ist die Totale eine Weitwinkelaufnahme, die viele Bildinformationen auf einmal transportiert.

2. Die Halbtotale

Der optische Sprung hinein in die Totale, wird etwas konkreter: die Halbtotale zeigt einen Ausschnitt aus dem Ganzen und konzentriert den Blick.

3. Die Nahe, das Closeup

Hier ist die Betrachterin im Makrobereich und sieht vielleicht gestikulierende Hände oder ein Augenpaar ganz nah (so wie im „Tatort“ Trailer).

4. Das Porträt

Bei Fotoreportagen in denen es um Menschen geht, darf das Porträt nicht fehlen. Die Betrachterin identifiziert sich mit der abgebildeten Protagonistin – es „menschelt“.

5. Interaktion

Unser Leben besteht aus Interaktion. Fotos von Menschen im Austausch miteinander transportieren Lebendigkeit und lassen eine Fotoreportage authentisch wirken.

6. Das Kondensat (oft auch Aufmacher oder „Eyecatcher“)

Manchmal ergeben sich Situationen, welche die Grundthese einer Fotoreportage in einem einzigen Bild wiedergeben. Der sogenannte „entscheidende Augenblick“ – der Begriff wurde so ähnlich vom Vater aller Bildjournalisten Henry Cartier Bresson geprägt – ist formal und inhaltlich eine Art Zusammenfassung der gesamten Geschichte.

7. Sequenz

Eine Miniserie von Bildern innerhalb der Fotoreportage – eine Geschichte in der Geschichte – sorgt für Abwechslung.

8. Das Ende

Wie beim Film, braucht auch die klassische Fotoreportage ein Endbild. Ein Foto, das den Schluss der Geschichte suggeriert und der Betrachterin das Gefühl gibt, hier schließt sich ein Kreis.

Selbst wenn eine Fotoreportage alle diese Punkte in sich vereint, ist das keine Garantie für eine gelungene Geschichte. Der springende Punkt ist die Frage, ob das gewählte Thema die Geschichte trägt, ob es bildstark ist und – vor allem – ob die Fotografin etwas zu erzählen hat. Der beste Weg, Qualitätsbewusstsein für die Fotoreportage zu entwickeln, ist sich viele solcher Geschichten anzusehen.