Die „LIFE Formel“ sieht 8 verschiedene Elemente innerhalb einer Fotoreportage vor. Die Fotos stammen aus einer Fotoreportage über die „Quinceanera“-Feier eines Mädchens aus Puerto Rico. In dieser Tradition feiert man in Mittel- und Südamerika den sechzehnten Geburtstag von Mädchen. Einer großen Hochzeitsfeier ähnelnd, wird der Teenager aus der Kindheit in die neue Mündigkeit entlassen.

1. Die Totale, der Überblick  

Dieses Foto zeigt dem Betrachter, wo er sich befindet. Es verortet alle folgenden Bilder und vermittelt das Gefühl vom „Wo“. Oft ist die Totale eine Weitwinkelaufnahme, die viele Bildinformationen auf einmal transportiert.

2. Die Halbtotale (Einstellungsgrößen)

Der optische Sprung hinein in die Totale, wird etwas konkreter: die Halbtotale zeigt einen Ausschnitt aus dem Ganzen und konzentriert den Blick.

3. Die Nahe, das Closeup

Hier ist der Betrachter im Makrobereich und sieht vielleicht gestikulierende Hände oder ein Augenpaar ganz nah (so wie im „Tatort“ Trailer).

4. Das Porträt  

Bei Fotoreportagen in denen es um Menschen geht, darf das Porträt nicht fehlen. Der Betrachter identifiziert sich mit dem abgebildeten Protagonisten – es „menschelt“.

5. Interaktion 

Unser Leben besteht aus Interaktion. Fotos von Menschen im Austausch miteinander transportieren Lebendigkeit und lassen eine Fotoreportage authentisch wirken.

6. Das Kondensat  (oft auch Aufmacher oder „Eyecatcher“)

Manchmal ergeben sich Situationen, welche die Grundthese einer Fotoreportage in einem einzigen Bild wiedergeben. Der sogenannte „entscheidende Augenblick“ – der Begriff wurde so ähnlich vom Vater aller Bildjournalisten Henry Cartier Bresson geprägt – ist formal und inhaltlich eine Art Zusammenfassung der gesamten Geschichte.

7. Sequenz 

Eine Miniserie von Bildern innerhalb der Fotoreportage – eine Geschichte in der

Geschichte – sorgt für Abwechslung.

8. Das Ende 

Wie beim Film, braucht auch die klassische Fotoreportage ein Endbild. Ein Foto, das den Schluss der Geschichte suggeriert und dem Betrachter das Gefühl gibt, hier schließt sich ein Kreis.

Selbst wenn eine Fotoreportage alle diese Punkte in sich vereint, ist das keine Garantie für eine gelungene Geschichte. Der springende Punkt ist die Frage, ob das gewählte Thema die Geschichte trägt, ob es bildstark ist und – vor allem – ob der Fotograf etwas zu sagen hat. Der beste Weg,  Qualitätsbewusstsein für die Fotoreportage zu entwickeln, ist sich viele solcher Geschichten anzusehen. Im Anhang finden Sie einige der wichtigsten Quellen.

Im Grunde vereint die LIFE Formel zwei Maximen des guten Bildjournalismus: eine Fotoreportage muss eine Geschichte erzählen und sie muss einen gewissen Unterhaltungswert haben. Genau das schafft man durch den Wechsel von Einstellungsgrößen und Bildformaten.

Obwohl die Dinge manchmal vor der Haustür liegen, 

gibt es unendlich viele Aspekte, die zu entdecken sind 

und die wir nicht gesehen haben

Herlinde Kölbl