In der Fotografie unterscheidet man zwischen vorhandenem und gesetztem Licht. Ein guter Fotograf kann sich die  Lichtsituation, die er „on Location“, also vor Ort vorfindet, zunutze machen. Er weiß, wie er zum Beispiel das weiche, diffuse Licht an einem leicht bewölkten Sommermorgen so einsetzt, dass es in einem Porträt schmeichelhaft und natürlich wirkt.

Oder er nutzt einen „offenen Schatten“: an Sonnentagen werfen hohe Gebäude mitunter lange Schatten, die sich gut eignen, um darin ansprechende Porträts zu fotografieren. Dieses Licht ist nämlich so diffus, dass es keine Schlagschatten wirft. In Kombination mit einem ruhigen Hintergrund gelingt hier ein gutes Porträt mit professionell anmutender Lichtführung. Fotos, die mit vorhandenem Licht gemacht werden, wirken authentisch und spontan.

Manchmal reicht vorhandenes Licht nicht aus oder ist ungeeignet. Dann kommt ein Blitzgerät oder eine Blitzanlage zum Einsatz. Im Gegensatz zum vorhandenen Licht, kann der Fotograf sein gesetztes Licht kontrollieren. Helligkeit, Richtung und Anmutung lassen sich je nach gewünschter Aussage variieren. Diese Perfektion der Lichtführung resultiert meistens in einem „cleaneren Look“, einem künstlicheren Ausdruck des Fotos.

Stare. It is the way to educate your eye, and more. Stare, pry, listen, eavesdrop. Die knowing something. You are not here long. 

Walker Evans

Sie können auch ohne Kamera ein Gefühl für Lichtqualität entwickeln: betrachten Sie Lichteinfall, Schattenwurf und Helligkeit in Ihrem täglichen Umfeld. Ist das Licht, dass durch das Fenster einfällt weich oder hart? Wirft es Schlagschatten? Aus welcher Richtung kommt das Licht und in welche Richtung fällt es? Wird es von irgendwelchen Flächen reflektiert (= indirektes Licht)? Ist seine Farbtemperatur warm oder kalt?

Stellen Sie sich diese Fragen von Zeit zu Zeit. Egal ob für Gegenstände, Landschaften oder Menschen und Gesichter – gehen Sie ab heute mit einem geschärften Blick für Lichtführung durch die Welt und verbessern Sie so Ihre „Lichtkompetenz“!