Manche Kameras lassen sich vor dem Fotografieren von Farbe auf Schwarzweiß umstellen. Die nachträgliche Umwandlung eines Farbfotos in ein Schwarzweiß-Motiv ist dagegen immer mit der entsprechenden Software möglich. Ob es sinnvoll ist, ein Foto in Farbe oder Schwarzweiß zu erstellen, hängt davon ab was man mit einem Bild erzählen will und wie es eingesetzt wird. Und natürlich gibt es auch in der Fotografie Trends und Moden, die darüber entscheiden was angesagt ist.

Der abstrakte Charakter von schwarzweiß (abstrakt, weil beispielsweise eine Landschaft in Natura nie schwarzweiß sein kann) kann Bildern einerseits eine sachlich-dokumentarische und andererseits eine künstlerisch-verspielte Anmutung verleihen. Manchmal sogar beides.

Bei der Entscheidung über die Farbigkeit eines Fotos gibt es verschiedene Faktoren, die eine Rolle spielen. Die Stärke von Schwarzweiß ist die sachliche Darstellung grafischer Eigenschaften eines Motivs. Linien, Strukturen und Flächen wirken in schwarzweiß mitunter kräftiger, weil das Auge nicht von Farben abgelenkt wird: die Konzentration liegt ausschließlich auf der Form. Übrigens trifft das auch auf aussagekräftige Aktfotografie zu.

Ähnlich ist es in der schwarzweiß Porträtfotografie: das Wegfallen von Farbe, lenkt den Blick des Betrachters auf die wesentlichen Züge eines Gesichtes. Mimik, Falten und Form offenbaren die Persönlichkeit eines Menschen. Da spielt die Hautfarbe keine Rolle mehr. Die Fotografen Richard Avedon und August Sander waren zwei stilbildende Meister dieser Disziplin.

Gute Farbfotos bestechen durch den gezielten Einsatz von Farbe. Da wo Farbe etwas erzählt und eine zusätzliche, relevante Bildinformation vermittelt, ist sie angebracht. Das Porträt des afghanischen Flüchtlingsmädchens von Steve McCurry wäre in schwarzweiß nicht in die Geschichte eingegangen. Die Schönheit ihrer grünen Augen und der roten Kopfbedeckung ist unbeschreiblich.

Farbe sollte also bei einem starken Foto immer eine Berechtigung haben. Allerdings haben uns unsere Sehgewohnheiten (vor allem das Fernsehen) und die digitale Fototechnik, die ja auf Farbigkeit ausgerichtet ist, zu „Farbkonsumenten“ gemacht. Dabei würden viele Fotos in schwarzweiß interessanter und ausdrucksstärker wirken. Falls sich Ihre Kamera auf schwarzweiß umschalten lässt, probieren sie es aus und fotografieren sie eine Serie ohne Farbe. Vielleicht entdecken Sie ja eine neue Leidenschaft.
Übrigens ist die Umwandlung eines Farbfotos in schwarzweiß eine Wissenschaft für sich. Natürlich erlauben es die meisten Bildbearbeitungsprogramme, Fotos per Mausklick umzuwandeln, allerdings lässt diese Konvertierung zu wünschen übrig. Ein technisch gutes Schwarzweiß-Foto weist nämlich ein großes Spektrum von Grautönen auf, das sich zwischen einem strahlenden Weiß und einem tiefen Schwarz bewegt. Solch eine reiche Abbildung erfordert die geschickte „Übersetzung“ von Farbe nach Schwarzweiß, ein Prozess der nur manuell optimal gelingen kann.

Der amerikanische Fotograf Ansel Adams gilt als Meister der hochwertigen Schwarzweiß-Fotografie. Er hat das sogenannte Zonensystem entwickelt, das Schwarzweiß-Fotos in zehn verschiedene Helligkeitszonen von Schwarz bis Weiß aufteilt. Durch die raffinierte Abstimmung von Film, Entwicklung und Belichtung (damals natürlich alles analog), entstanden Fotos von höchster ästhetischer und erzählerischer Qualität.